1 12 Jahre PFC: Eine Geschichte Mittelbadens

Die PFC-Schadenslage in der Region Mittelbaden wirkt sich bis heute nachhaltig auf das Grundwasser einer ganzen Region aus im Hinblick auf die Verfügbarkeit von sauberen Trinkwasser und die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte. Betroffen sind mehrere Wasserwerke, Privatbrunnen und 90 Landwirtschaften in der Region Rastatt und Baden-Baden.

In den Jahren 2012 und 2013 wurden bei einer Grundwasserbeprobung im Wasserwerk Rauental, in einem Reservebrunnen der Gemeinde Hügelsheim sowie in einem Brunnen einer benachbarten Gärtnerei deutlich erhöhte Werte von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) festgestellt. Zur Feststellung erhöhter PFC-Konzentrationen im Feststoff kam es in der Folge im Rahmen orientierender Untersuchungen im Umfeld der Brunnen entnommenen Bodenproben und auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, vor allem in den oberen Bodenschichten (0-30 cm), sowie in den Bodeneluaten. Die Untersuchung der Grundwasserproben ergaben PFC-Summenwerte von 7,97 µg/l (08.10.2013) und 4,65 µg/l (03.12.2013) an einem Reservebrunnen und von 5,32 µg/l (17.12.2013) am Brunnen einer nördlich angrenzenden Gärtnerei. In den Bodenproben lagen die PFC-Gesamtkonzentrationen bis zu 383 µg/kg.[1]

Am 4. September 2016 fragte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): „Woher kam das Zeug bloß?“. Die FAZ beschrieb die Historie und den aktuellen Stand eines Vorgangs, den Umweltschützer als einen der auf Grund der belasteten Fläche größten Umweltskandale der Bundesrepublik Deutschland bezeichnen. Der Bericht der FAZ rüttelte nicht nur die Bevölkerung in der Region auf, sondern auch die örtlichen Kreisbehörden und die zuständigen Landesministerien.

Bis heute allerdings wehrt sich das baden-württembergische Umweltministerium gegen die Verwendung des Begriffs „Umweltskandal“. Diese Reaktion gibt einen Hinweis auf den Umgang der Ministerien und Behörden mit einem Problem, dessen Anfänge mehr als ein Jahrzehnt zurückreichen und mit dem sich eine ganze Region noch viele Jahre wird auseinandersetzen müssen. Die Vorgehensweise der zuständigen Behörden weist bis in das Jahr 2013 fragwürdige Lücken auf. Diese Lücken führten zu scharfer Kritik von Betroffenen, örtlichen Parteien, Gemeinderäten und (Ober-)Bürgermeistern, zuletzt im August 2017 mehrfach direkt aus dem Mund der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.[2] Die Kritik reichte bis zur Forderung nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss.[3]

 

PFC-Land Mittelbaden             Foto: E. Meßmer

 

Woher das Zeug wirklich kam, ist bis heute nicht restlos aufgeklärt und wird wohl unaufgeklärt bleiben. Im Fokus der Behörden befindet sich ein Kompost-Hersteller aus der Region der Kompost mit belasteten Papierfaserabfällen aufbereitete und diesen Kompost an Landwirte verschenkte. Die Berechnungen und Schlussfolgerungen eines Agrarexperten sollen zeigen, dass noch weitere Verursacher und Quellen in Betracht kommen.

Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden hat wegen strafrechtlich relevanter Umweltdelikte gegen Unternehmen aus der Papierindustrie und gegen jenen Komposthersteller ermittelt. Die Ermittlungen dauerten etwa drei Jahre, bis es Anfang des Jahres 2017 zur Einstellung der anhängigen Verfahren kam. Als Grund für die Einstellung gab die Staatsanwaltschaft „Verfolgungsverjährung“ und „fehlende Beweise“ an. Die verwaltungsrechtliche Seite, bei der es unter anderem um die Inanspruchnahme von Handlungsstörern geht, bleibt von einer strafrechtlichen Bewertung des Sachverhalts unberührt.


  1. Prüfbericht des DVGW-Technologiezentrums Wasser Karlsruhe vom 20.12.2013.
  2. Badische Neueste Nachrichten, 21.07.17, Kontakt vom Land zum Bund bleibt vorerst aus; Acher- und Bühler Bote, Yburg-Rundschau, 22.07.2017, Lösung für PFC-Probleme ist noch nicht in Sicht, S. 27.
  3. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 4. September 2016, Artikel: "Woher kam das Zeug bloß?", http://www.faz.net/aktuell/wissen/umweltskandal-woher-kam-das-zeug-bloss-14418841.html

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