4 Auswirkungen PFC: vielschichtig, persistent und teuer

4.1 – Betroffenheit der Wasserversorgung
Die PFC-Belastung der Grundwasserströme zu den Brunnen stellt die Wasserversorger langfristig vor große Herausforderungen. In der Großen Kreisstadt Rastatt sind auf dem Stand November 2016 zwei von drei Wasserwerken wegen erhöhter PFC-Belastung außer Betrieb genommen worden. Der Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal musste drei von vier Brunnen außer Betrieb nehmen, einen fünften Brunnen neu bauen und beachtliche Mengen an Trinkwasser zukaufen. Davon musste ein Brunnen vorläufig weiter genutzt werden, nur um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Die Gemeinde Hügelsheim nahm einen von zwei Brunnen vom Netz, ohne aufgrund der verbreiteten PFC-Kontamination auf einen örtlichen Ersatzbrunnen zurückgreifen zu können. Auch die Gemeindewerke Sinzheim ertüchtigten ihre beiden Wasserwerke zur Vermeidung einer PFC-Kontamination des Trinkwassers.[1][2] Mit der technischen Überholung werden neue Verfahren zur Filterung und Reinigung von PFC erprobt.

Der Fokus in der Region für die Gesundheit der Bürger liegt vor allem auf dem in jedem Haushalt verfügbaren Trinkwasser. Bis zur Mitte des Jahres 2017 kam aus der Öffentlichkeit immer wieder Kritik wegen der Einleitung von herausgefilterten PFC-Eluats der Wasserwerke in Oberflächengewässer. Die Kritik betraf zwei Wasserversorger in der Region gleichermaßen, obwohl es dabei um die Anwendung von zwei unterschiedlichen technische Reinigungsverfahren geht.

Eine Änderung der Verordnung zum Schutz von Oberflächengewässern vom 21. Juni 2016 sieht neue Qualitätsnormen für PFOS vor. Neue Einleitungsgenehmigungen können seither nur noch erteilt werden, wenn sie mit den neuen Qualitätsnormen für PFOS vereinbar sind.

Der Wasserversorgungsverband Vorderes Murgtal verwendet ein Verfahren mit Nanofiltration, während die Stadtwerke Baden-Baden ein neuartiges Kombinationsverfahren der Umkehrosmose mit einer zusätzlichen Reinigungstufe (Aktivkohlefilter) ab Sommer 2018 einsetzen wollen. Bei dem Umkehrosmose-Verfahren wird das Wasser durch eine Membran gedrückt, und nahezu 100 Prozent der PFC herausgefiltert. Das sogenannte Retentat, wird durch Aktivkohlefilter geleitet. Mit dieser zusätzlichen Reinigungsstufe werden aus dem Retentat wiederum etwa 75 Prozent der PFC gebunden. Die Aktivkohle soll nach ihrer Sättigung umweltverträglich verbrannt werden. Die PFC-Frachten, die über das Trinkwasser in den Sandbach gelangen, werden somit künftig gefiltert. Das bedeutet im Ergebnis, dass sich die PFC für das Gewässer um 75 Prozent reduzieren.[3]

Die Stadtwerke Baden-Baden sahen sich noch Mitte des Jahres 2017 einer ganzen Reihe von formellen Einwänden von Bürgern gegenüber, die eine Versagung der Genehmigung zur Wiedereinleitung von herausgefilterten PFC-Rückständen zum Ziel hatten. Die Stadtwerke Baden-Baden konnten mit Bestätigung des städtischen Umweltamtes jedoch darstellen, dass mit dem von ihnen neu anzuwendenden Kombinationsverfahren die langkettigen PFC nahezu vollständig und mit einer weiteren Reinigungstufe (Aktivkohlefilter) auch die kurzkettigen PFC zu einem großen Teil herausgefiltert werden.[4] Bei dieser Veranstaltung erklärten die Vertreter der Stadtwerke Baden-Baden zutreffend, dass mit dem neuen Verfahren, das in Deutschland erstmals zur Anwendung kommt, auch nach der Einleitung des Retentats im Gesamtergebnis dennoch eine signifikante Verbesserung der PFC-Belastung der Oberflächengewässer erreicht werden kann. Die städtische Umweltbehörde Baden-Baden kommt zur Einleitung von Retentat aus ihrer Trinkwasseraufbereitungsanlage zutreffend zum Ergebnis: „Was in den Sandbach reingeht, führt zu einer Verbesserung des Gewässers“.[5] Fortan waren nur noch 25 Prozent der im Leitfaden zur Altlastenbearbeitung des Landes Baden-Württemberg zugelassenen maximalen Frachtbegrenzung einer PFC-Konzentratableitung in Oberflächengewässer zulässig. Dabei handelt es sich konkret um eine Frachtbegrenzung von 3,57 Gramm pro Tag (Summe aller PFC). Neben der Frachtbegrenzung sind dabei außerdem auch sogenannte Geringfügigkeitsschwellenwerte bis 0,3 mg/l (Summe PFOS+PFOA) einzuhalten. Die BST Kuppenheim rechnete nun vor, dass danach seit dem 17.12.2014 täglich 0,48 Gramm PFOA + PFOS und in der Summe aller PFC 2,67 Gramm täglich eingeleitet wurden.[6] Dem Gemeinwohl-Forum-Baden e.V. liegt dem gegenüber ein Schreiben des Wasserversorgungsverbandes Vorderes Murgtal vom 17.01.2016 vor, wonach im Zeitraum 2014-2016 pro Jahr nicht mehr wie 210 Gramm (Summe PFOA+PFOS) PFC-Konzentrat in Oberflächergewässer eingeleitet worden sind. Messungen an den Einleitungsstellen ergaben, dass die Konzentrationen von PFC weit unterhalb von aktuellen Geringfügigkeitschwellenwerten liegen. PFC-Eintragungen in derart schwachen Konzentrationen sind als allgemeine Hintergrundbelastung überall mehr oder weniger vorhanden. Ihre Ursache liegt darin, dass Einleitungen vor allem von Industrie-/Gewerbebetrieben und privaten Haushalten von kommunalen Kläranlagen nicht aufgenommen werden. Nach Mitteilung des baden-württembergischen Umweltministeriums ist die Einleitung des Abwassers aus der Anlage des Wasserversorgungsverbandes „Vorderes Murgtal“ unbedenklich.[7]

Den Wasserversorgern ist es durch eingeleitete Maßnahmen ab dem Jahr 2013 gelungen, die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen, das deutlich unter dem allgemeinen Vorsorgewert liegt. Dies kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die betroffenen Einwohner bereits Jahre zuvor aller Wahrscheinlichkeit nach mit kontaminiertem Trinkwasser versorgt worden sind.[8] [9] Aufgrund der dabei entstehenden, exorbitanten Kosten durch zusätzliche Reinigungsstufen werden die Wasserversorger Gebühren erhöhen.

4.2 – Betroffenheit von Landwirtschaften
Im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden sind 566 landwirtschaftliche Betriebe registriert, davon 114 Haupterwerbsbetriebe und 452 Nebenerwerbsbetriebe, die etwa 17.000 Hektar Fläche bewirtschaften (Stand 2016).[10] Soweit bekannt, sind 90 Landwirte mit PFC belasteten Böden und/oder belastetem Beregnungswasser betroffen, davon 46 Haupterwerbsbetriebe, einige davon existenzgefährdend.[11]

Sehr hart trifft es die Landwirte in der Region, die Brunnen stilllegen oder die Bodenuntersuchungen oder neue Brunnen finanzieren. Die Kosten für einen Brunnen können in die zehntausende bis hunderttausende Euro gehen. Ein Biobauer aus der Region bezifferte die Kosten für einen neu angelegten Brunnen auf 200.000 Euro. Dies bedeutet für die betroffenen Landwirte einen erheblichen Wettbewerbsnachteil.

Feldfrüchte nehmen PFC lediglich in den Blättern auf, jedoch nicht in den Körnern. Mais, Raps und Gerste kann auf belasteten Flächen dennoch angebaut werden. Doch was geschieht mit dem belasteten Schnittgut nach der Ernte?[12] Bei der Ernte werden die grünen Pflanzenteile zerhäckselt und verbleiben auf dem Acker. Vor dem Winter werden die kontaminierten Pflanzenteile untergepflügt. Einerseits wird mit hohem Aufwand in Projekte zur Bewältigung des PFC-Problems investiert, andererseits werden die belasteten, grünen Pflanzenreste auf dem Feld belassen. Dies führt das PFC wieder in den Boden ab. Das Stuttgarter Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sieht mit dem Unterpflügen belasteter Pflanzenteile keine Probleme und teilt mit: „In Abstimmung mit dem zuständigen Umweltministerium, ergibt sich durch das Unterpflügen oder Belassen des Aufwuchses keine signifikante Belastung im Sinne einer zusätzlichen Bodenbelastung“.[13]

Das Regierungspräsidium Karlsruhe sprach erstmals im September 2016 Anbauempfehlungen aus, die für Landwirte aus rechtlicher Sicht unverbindlich sind. Diese Empfehlungen wurden aus den Untersuchungsergebnissen des Vorerntemonitorings der Jahre 2015 und 2016 abgeleitet. Danach sollten auf hochbelasteten Flächen Lebensmittel beziehungsweise bestimmte Obst- und Gemüsesorten in der Region nur noch auf unbelasteten Böden angebaut werden, welche als Tierfutter verwendet werden könnten. Begründet wurde die Maßnahme damit, dass sich bei Heu als Futtermittel die PFC in Milch, Eiern und Innereien anreichern.[14]

Im Juli 2014 bescheinigte das Landwirtschaftsamt Rastatt noch die Unbedenklichkeit für den Verzehr der beprobten Lebensmittel, weil die Belastungen der Böden angeblich nicht ausreichten, um die dort wachsenden Pflanzen stärker zu kontaminieren. Etwa ein Jahr später überraschte das Landwirtschaftsamt Rastatt bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung mit der Mitteilung, dass „in einigen Fällen die PFC-Werte der Feldfrüchte über den Vorsorgewerten lagen; auch sei es nicht mehr unproblematisch, PFC-haltiges Beregnungswasser zu verwenden; PFC-Aufnahme sei bei einigen Pflanzen und Kulturen gegeben; PFC-verseuchte Böden wären grundsätzlich für die Erzeugung von Lebensmitteln problematisch beziehungsweise nicht geeignet.“ Zum Zeitpunkt dieser Bekanntmachung waren Spargel, Erdbeeren und Salate …. usw., längst vermarktet.[15] Das Landratsamt riet erst im Jahre 2016, Wasser aus belasteten Privatbrunnen nicht zum Tränken von Tieren zu verwenden oder den Garten zu gießen. An dieser Stelle auch die Empfehlung, auf keinen Fall Planschbecken aus privaten Brunnen zu füllen.

Betroffene Betriebe beteiligen sich –freiwillig– an einem Vorernte-Monitoring (VEM).[16] In das VEM werden die landwirtschaftlichen Nutzflächen aufgenommen, deren Böden mit PFC bekanntermaßen belastet sind und/oder mit belastetem Wasser bewässert wurden, jedoch nur, sofern der pflanzliche Aufwuchs auf diesen Flächen verwertet werden soll. Die Belastung auf den Flächen in der Region Mittelbaden ist kleinzellig verteilt und im Vergleich sehr unterschiedlich. Die Kreisbehörde ließ seit dem Jahr 2015 hunderte Bodenproben untersuchen und setzt damit das seit 2013 laufende „Vorernte-Monitoring“ (VEM) für landwirtschaftliche Produkte fort. Daraus sollen für die Landwirte Empfehlungen für den Anbau ihrer Produkte jeweils für das kommende Jahr abgeleitet werden, um gegebenenfalls auf andere Fruchtfolgen auszuweichen. Bei sehr hoch belasteten Flächen bliebe im Einzelfall nur die Stilllegung, hieß es weiter.[17] Brachliegende Flächen sind nicht Teil des VEM. Bestätigt wurde, dass aufgrund von Erfahrungswerten das VEM von den betroffenen Landwirte „gut“ angenommen wird.[18] Aufgrund dessen gehen die Behörden auch für das Jahr 2017 von einer vollständigen Beteiligung sowohl der Haupt-, als auch Nebenerwerbslandwirte aus. In der Mitte des Jahres 2017 beteiligten sich nur noch 20 Landwirtschaften am VEM. Da die Landwirte mit den Sonderkulturen Erdbeeren und Spargel auf unbelastete Flächen ausweichen, sind im VEM 2017 die Anzahl der Flächen gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen.[19]

Auch wenn es keine rechtliche Grundlage gibt, welche die Teilnahme am Vorernte-Monitoring (VEM) bei der gewerblichen Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen einfordert, haben die betroffenen Landwirtschaften für eine Teilnahme am  VEM einen überzeugenden Anreiz, denn sie erhalten durch diese Maßnahmen Gewissheit über den Zustand ihrer Erzeugnisse.

Wenn ein betroffener landwirtschaftlicher Betrieb nicht am VEM teilnimmt, haben die Behörden immer die Möglichkeit, dessen Erzeugnisse im Rahmen der Lebensmittelüberwachung ex post zu kontrollieren. Im Rahmen dieser alltäglichen Routine werden jetzt von der amtlichen Lebensmittelüberwachung neben den Untersuchungen aus dem Vorernte-Monitoring-Programm, laufend tierische und pflanzliche Lebensmittel auf PFC untersucht. Neben den Produkten von belasteten Flächen werden Stichproben von weiteren Lebensmitteln aus der Region und anderen Anbaugebieten erhoben. Die Kombination aus Vorernte-Monitoring und Lebensmittelüberwachung bietet nach Einschätzung des Landwirtschaftsamtes Rastatt ein hohes Maß an Sicherheit.

Neben dem Vorernte-Monitoring werden von den Behörden nur landwirtschaftlich genutzte Brunnen untersucht, deren Wasser im jeweils aktuellen Jahr für die Bewässerung genutzt werden. Im Jahr 2016 waren 89 Beregnungsbrunnen im PFC-Belastungsgebiet unter Beobachtung. Das sind Brunnen, die seit 2015 für die Bewässerung von Kulturen landwirtschaftlicher Betriebe benutzt werden.[20] Davon wurden nach einem Bericht in den Printmedien im Jahre 2016 fünfzig Brunnen beprobt.[21]

Die Behörden hoffen, dass mit dem Vorernte-Monitoring, sonstigen Kontrollmaßnahmen, insbesondere mit den laufenden Kontrollen im Rahmen der Lebensmittelüberwachung keine belasteten landwirtschaftlichen Produkte in den Verkehr kommen. Das Landwirtschaftsamt des Landkreises Rastatt sieht diese Annahme anhand der Kontrolluntersuchungen aus der amtlichen Lebensmittelüberwachung bestätigt.

4.3 Betroffenheit belasteter Grundstücke
Die PFC-Belastung in Mittelbaden zieht neben Einschränkungen beziehungsweise gänzlichem Verzicht auf landwirtschaftliche Nutzung von Ackerflächen oder dem Verzicht auf Wasserentnahme aus Privatbrunnen noch ganz andere Folgen nach sich.

Nicht nur Handlungsstörer, sondern auch Eigentümer von belasteten Grundstücken können von den Behörden verwaltungsrechtlich als sogenannte Zustandsstörer bis zum Wert ihres Grundstücks zur Kasse gebeten werden, auch ohne dass sie eine Verantwortung für die Ursache der kontaminierten Böden auf ihrem Grundstück trifft.[22] Ob es soweit kommt, liegt weitgehend im Ermessen der unteren Verwaltungsbehörden, denen bei der Inanspruchnahme von Zustandsstörern ein weiter Ermessensspielraum zugebilligt wird. Diese durchaus übliche Anwendung des Verwaltungsrechts dürfte den Verkehrswert von belasteten Grundstücken, Immobilien und Anlagen merklich beeinflussen, zumindest solange, wie eine Inanspruchnahme der Grundstückseigentümer als sogenannte Zustandsstörer droht.

Wenn der Verdacht auf PFC-Belastung von Grundstücken besteht, prüft das Umweltamt[23] zunächst den Grad der Belastung im Boden. Die Kosten, die zwischen 100 und 150 Euro pro Tonne liegen dürften, sind vom Belastungsgrad und von der jeweiligen Deponie abhängig. Die Stadt- und Landkreise (Abfallwirtschaftsbetriebe) sind zwar zuständig für die Entsorgungssicherheit und Entsorgungskapazitäten, doch solche speziellen Deponien gibt es in Deutschland nur wenige. Die Deponiefähigkeit von PFC-belasteten Böden ist zum Schutz des Grundwassers an strenge Bedingungen geknüpft, beispielsweise mit der Eignung der Sickerwasserreinigungsanlage bzw. einer nachgeschalteten Kläranlage. Durch die Sickerwasserreinigung soll verhindert werden, dass PFC´s aus der Deponie in das Grundwasser gelangen. Der Landkreis Rastatt und der Stadtkreis Baden-Baden unterhält für PFC-belasteten Aushub keine geeignete Deponie. Belasteter PFC-Aushub muss außerhalb von Baden-Württemberg entsorgt werden. Besteht keine Möglichkeit zur Entsorgung, kann eine Deponierung entsprechend des Erlasses des Umweltministeriums vom 29.01.2016 in der Regel auf Deponien der Klasse „DK I“ oder „DK II“ erfolgen. Die zeitweilige Lagerung von belastetem Bodenmaterial fällt je nach Belastung ab 30 Tonnen unter den Anwendungsbereich des Bundesimmissionsschutzrechts. Die genehmigungsbedürftigen Anlagen sind so zu errichten und betreiben, dass schädliche Umwelteinwirkungen vermieden werden. Die Fragen der Entsorgung (Umfang des Aushubs, Verwertung) muss der jeweilige Grundstückseigentümer mit dem Umweltamt abstimmen.

Die PFC-Belastung wirkt sich auch auf Bebauungspläne der Gemeinden aus. Betroffen sind hiervon derzeit Bühl, Sinzheim, Rastatt und Rheinmünster. Flächen, die mit PFC belastet sind, könnten mit bestimmten Auflagen dennoch als Baugebiete ausgewiesen werden. Erforderlich ist bei Bekanntwerden einer PFC-Belastung gegebenenfalls die Änderung von bestehenden Planentwürfen. Bei Bebauung müssen in diesem Fall Flächen versiegelt werden, um Regenwasserversickerung zu vermeiden. Der Betrieb von Gartenbrunnen wäre dann nicht möglich. Für anfallenden Bodenaushub ist ein Entsorgungskonzept erforderlich. Auf Kellergeschosse und Gartenbrunnen muss also verzichtet werden. Die Planung in PFC-belasteten Baugebieten verteuert sich erheblich.

Betroffen ist seit Bekanntwerden einer PFC-Belastung im Februar 2016 beispielsweise ein Neubaugebiet mit 26 Baugrundstücken östlich der Landesstraße 80 auf der Gemarkung Sinzheim-Leiberstung. Die Folge war, dass im gesamten Baugebiet mit einer Fläche von ca. 2,8 Hektar keine privaten Anlagen zur Versickerung des Niederschlagwassers zulässig sind. Dahingehend musste der Planentwurf aktualisiert werden. Das auf den Baugrundstücken anfallende Oberflächenwasser muss in benachbarte Flächen zur schadlosen Versickerung außerhalb des belasteten Bereiches abgeleitet werden. Die Bodenflächen unter den Häusern und Straßen werden dort mit einer Kalk-Zement-Mischung immobilisiert.[24]

Auf der Gemarkung Sandweier kann der Kiesabbau im Bereich belasteter Flächen nicht mehr erweitert werden, weil sich die zur Erweiterung des Kiesabbaus vorgesehenen Flächen auf PFC-belasteten Grundstücken befinden.[25] Hier wäre sonst zu befürchten, dass der belastete Bodenaushub in den Baggersee gelangt und auf diese Weise das Grundwasser gefährdet.

Auf der Gemarkung Rheinmünster musste der Neubau eines 1,3 Kilometer langen Radweges gestoppt werden, weil weite Teile der Trasse des Radweges und dort der Untergrund bis in tiefere Bodenschichten mit PFC belastet ist. Nun musste der Untergrund im belasteten Teil der Trasse ausgehoben und entsorgt werden. Die veranschlagten Kosten für diesen Radweg mit insgesamt 1,8 Millionen Euro haben sich mit der PFC-Problematik verdoppelt.[26]

4.4  - Sonstige Auswirkungen
Die PFC-Belastung bedroht die Existenz des Angelsportvereins Sandweier, weil seit Beginn der Beprobungen in dem zum Verein zugehörigen Gewässer die gemessenen Belastungswerte von Raubfischen auf dem Stand Jahresanfang 2017 sprunghaft angestiegen sind. Beispielsweise habe sich die Menge des im Muskelfleisch von Hechten nachweisbare PFC verhundertfacht. Betroffen sind nicht nur Hechte, sondern viele Fischarten, aber auch Amphibien und Wasservögel.[27]

Wenn davon ausgegangen wird, dass PFC belastete, landwirtschaftliche Erzeugnisse oder Trinkwasser in den Verkehr gekommen sind, steht auch die Frage im Raum, ob die Gefahr bestand oder besteht, dass die Bevölkerung im Bedarfsfall mit verunreinigten Blutkonserven versorgt worden ist oder noch versorgt wird. Diese Frage ergibt sich, weil Blutspenden bis 2016 nicht auf PFC untersucht wurden. Das Deutsche Rote Kreuz schließt jedoch bei der Verwendung von PFC-belasteten Bluttransfusionen eine Anreicherung von PFC im Blut des Empfängers bei einer einmaligen Bluttransfusion aus. Dennoch werden jetzt Bluttransfusionen aus der Region Mittelbaden bis auf weiteres eingefroren und nicht mehr abgegeben.

Nach etwa zehn Jahren (Stand: 2017) sind zahlreiche PFC-Schadstoffherde in der Region Mittelbaden beprobt und weisen immer noch ca. 60 Prozent der ursprünglichen PFC-Belastung auf.[28] Demgegenüber zeigt sich bis heute, dass sich die Schäden und Auswirkungen immer mehr ausweiten. Bis Ende des Jahres 2017 konnte mit der bis dahin von der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) durchgeführten Grundwassermodell annähernd die realen Gegebenheiten im Boden interpretiert werden. Daraus lässt sich ableiten, dass die vorhandenen, überwiegend oberflächennahen PFC-Fahnen mit den Grundwasserströmen weiterhin verdünnt in Richtung Rhein transportiert werden. In der Summe ist Ende des Jahres 2017 die maximale Menge an PFC im Grundwasser erreicht. Zu erwarten ist, dass die PFC-Belastung mit dem Ausfließen des Grundwassers langsam wieder abnimmt. Gleichzeitig verlagert sich die PFC-Kontamination in tiefere Schichten der Grundwässer.

Bürgermeister, lokale Politiker und politische Parteien aus der Region forderten Ende November 2016 in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann sofortige Sanierungsmaßnahmen.[29] Die Behörden setzen dem gegenüber auf eine vollständige Ermittlung und Eingrenzung der Belastungssituation, um erst darauf aufbauend, die Sanierungserfordernisse zu definieren und nachhaltige wie auch zielorientierte Maßnahmen zu entwickeln. Aufgrund der komplexen Belastungssituation und der außergewöhnlich großen, betroffenen Fläche würden keine geeigneten Sofortmaßnahmen zur Verfügung stehen. Diese Aussage entspricht dem Ergebnis des Gutachtens der Fa. Arcadis Deutschland GmbH vom 30.09.2015 über die Bewertung denkbarer Sanierungsmöglichkeiten, wonach sofortige Sanierungen nicht verhältnismäßig und nicht sinnvoll möglich wären: "Es stünden hohe Kosten in dreistelliger Millionenhöhe, einer derzeit unklaren Effizienz der Sanierungsmaßnahmen gegenüber", so die Fa. Arcadis.[30] Diese Bewertung wird darüber hinaus auch von anderen Experten aus verschiedenen Bundesländern, beispielsweise bei einem von den „star.Energiewerken“ Rastatt einberufenen Workshop am 24.03.2016 bestätigt.[31]

Vor allem im Hinblick auf die PFC-Belastung des Grundwassers stehen damit keine geeigneten Sofortmaßnahmen zur Sanierung der belasteten Flächen zur Verfügung.[32] Das Umweltministerium Baden-Württemberg verweist zudem auf rechtliche Vorgaben, die gemäß dem Bundes- und Landesbodenschutzgesetz zu erfüllen sind.


  1. (Ober-) Bürgermeister-Resolution ( Landkreis Rastatt) zur Belastung des Grundwassers mit PFC an Herrn Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann vom 2. November 2016, S. 3 f. http://www.goodnews4.de/images/downloads/pdf/588-2016%20PFC%20Resolution%20OB-BM.pdf
  2. Stuttgarter Zeitung, Artikel: PFC, das unbekannte Gift, Die Dritte Seite, Nr. 221, 22.09.16.
  3. Stadtwerke Baden Baden, http://www.stadtwerke-baden-baden.de/news/aktuelles/Umkehrosmoseanlage_Grundwasserwerk_Sandweier.php (Stand: 22.01.2018)
  4. Bürgerinformation der Bürgerinitiative "Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim" am 8. Mai 2017 im Restaurant Da Rosario (Obergeschoss), Friedrichstraße 25, 76456 Kuppenheim, mit einem Referat eines Vertreters der Stadtwerke Baden-Baden.
  5. Badisches Tagblatt, 17.10.2017, Artikel: "PFC soll weitgehend raus aus Trinkwasser, Stadtwerke bekommen grünes Licht für Bau einer Aufbereitungsanlage zur Reduzierung von Härte und PFC".
  6. Baden TV, Interview mit Andreas Adam, 2. Vorsitzender der Bürgerinitiative "Sauberes Trinkwasser für
  7. Stellungnahme des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg vom 14.11.2016, Landtagsdrucksache 16/707, auf Antrag der Abg. Bettina Lisbach u.a. / Bündnis90/Grüne v. 06.10.2016, S. 5f.
  8. Regierunspräsidium Karlsruhe, Antworten auf häufig gestellte Fragen zur PFC-Belastung im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden und Mannheim, Stand: Dezember 2016, S. 8, https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Documents/faq_pfc.pdf; Stellungnahmen und Betrachtungen der Bürgerinitiative "Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim" zur Grundwasser- und Bodenverunreinigung durch PFC im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden anlässlich des Besuches von Landwirtschaftsminister Peter Hauk am 06.09.2016 in Iffezheim, Ziffer 1, 1. Wirkungen von PFOA auf den Menschen, S. 2.
  9. Stuttgarter Zeitung, Artikel: PFC, das unbekannte Gift, Die Dritte Seite, Nr. 221, 22.09.2016
  10. Schreiben des Landratsamtes –Landwirtschaftsamt– Rastatt vom 23. Mai 2017 an das Gemeinwohl-Forum-Baden e.V. auf Anfrage.
  11. Schreiben des Landratsamtes –Landwirtschaftsamt– Rastatt vom 23. Mai 2017 an das Gemeinwohl-Forum-Baden e.V. auf Anfrage; Stellungnahme des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg vom 14.11.2016, Landtagsdrucksache 16/707, auf Antrag der Abg. Bettina Lisbach u.a./Bündnis90/Grüne v. 06.10.2016, S. 3; Acher- und Bühler Bote, Artikel: NABU will PFC-Preis vergeben, 16.11.2016, S. 24.
  12. Regierungspräsidium Karlsruhe gibt Empfehlungen für die Herbstaussaat“ veröffentlicht; Acher- und Bühler Bote, Ausgabe Bühl, Artikel: Behörden setzen Erkenntnisse konsequent um, 22.09.16, S. 21; Acher- und Bühler Bote, Ausgabe Bühl, Artikel: Behörden setzen Erkenntnisse konsequent um, 22.09.16, S. 21
  13. Stellungnahme des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg vom 14.11.2016, Landtagsdrucksache 16/707, auf Antrag der Abg. Bettina Lisbach u.a. / Bündnis90/Grüne v. 06.10.2016, S. 5.
  14. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 4. September 2016, Artikel: "Woher kam das Zeug bloß?", http://www.faz.net/aktuell/wissen/umweltskandal-woher-kam-das-zeug-bloss-14418841.html
  15. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 4. September 2016, Artikel: "Woher kam das Zeug bloß?", http://www.faz.net/aktuell/wissen/umweltskandal-woher-kam-das-zeug-bloss-14418841.html
  16. Schreiben des Regierungspräsidiums –Stabsstelle PFC- Karlsruhe vom 27. Juni 2017 an das Gemeinwohl-Forum-Baden e.V. auf Anfrage
  17. ebd.
  18. Regierungspräsidium Karlsruhe, Zentralen PFC-Stabsstelle, Schreiben vom 27.06.17 an das Gemeinwohl-Forum-Baden e.V. auf Anfrage.
  19. Schreiben des Regierungspräsidiums –Stabsstelle PFC- Karlsruhe vom 27. Juni 2017 an das Gemeinwohl-Forum-Baden e.V. auf Anfrage.
  20. Schreiben des Landratsamtes –Landwirtschaftsamt– Rastatt vom 23. Mai 2017 an das Gemeinwohl-Forum-Baden e.V. auf Anfrage
  21. Acher- und Bühler Bote, Landkreis, Artikel: "Die Belastung ist sehr unterschiedlich", 23.06.2017, S. 25.
  22. Bei dem Begriff "Störer" handelt es sich um einen gebräuchlichen Fachbegriff im Verwaltungsrecht.
  23. Zuständig in den Umweltämtern der Stadt- und Landkreise sind die Fachgebiete Umwelt und Arbeitsschutz
  24. Acher- und Bühler Bote, Yburg-Rundschau, Artikel: "Baggerbiss trotz PFC-Problematik", 23.06.17, S. 26.{/footnote] Der geänderte Planentwurf sieht weiterhin vor, dass Baugrundstücke außerhalb von Gebäuden, Garagen, Stellplätzen und deren Zufahrten, um mindestens 80 Zentimeter aufzuschütten sind. Unmittelbar vor der Aufschüttung ist auf dem vorhandenen Boden ein Wurzelschutzvlies (Geotextil) als Trennschicht zu verlegen. Im belasteten Bereich sind außerdem ein Bodenaushub und das Anpflanzen von Bäumen unzulässig, wie auch die Entnahme von Grundwasser. Auf den Baugrundstücken im unbelasteten Bereich sind je angefangene 600 Quadratmeter Grundstücksfläche ganz bestimmte Bäume und sonstige Gewächse anzupflanzen. Die Bereiche, welche über dem PFC-Schwellenwert liegen, werden um ca. 80 Zentimeter angehoben und die übrigen Straßenbereiche höhenmäßig angepasst. Ein anderer Teilbereich wird bituminös befestigt und es werden auf niveaugleichen Pflasterstreifen die Versorgungs- und Entsorgungsleitungen und Entwässerungskanäle verlegt.[footnote] Badische Neueste Nachrichten,  Acher- und Bühler Bote, Yburg-Rundschau, 31.03.2017, Artikel: "Neubaugebiet ist teilweise mit PFC belastet".
  25. ebd.
  26. Acher- und Bühler Bote, Landkreis, Artikel: Bau eines Radweges steht auf der Kippe, PFC-Belastung im Boden: Bauausschuss des Kreistags stoppt Projekt von Hildmannsfeld nach Schwarzach, 22.03.2017, S. 21.
  27. Badische Neueste Nachrichten, 21.01.2017, Ausgabe Baden-Baden, Artikel: "Fische sollen nicht mehr gegessen werden. Der Angelsportverein Sandweier sieht sich durch die PFC-Belastung in seiner Existenz bedroht.
  28. Badische Neueste Nachrichten / Acher- und Bühler Bote, Ausgabe Bühl, 05.01.2017, Artikel: "PFC-Sanierung muss starten. SPD befremdet über die Einstellung (Anm. Einstellung des Verfahrens der Staatsanwaltschaft Baden-Baden nach einer Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Verstoßes gegen Düngemittelrecht und Bioabfallverordnung.
  29. (Ober-) Bürgermeister-Resolution ( Landkreis Rastatt) zur Belastung des Grundwassers mit PFC an Herrn Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann vom 2. November 2016, S. 3 f. http://www.goodnews4.de/images/downloads/pdf/588-2016%20PFC%20Resolution%20OB-BM.pdf
  30. Schreiben der Fa. ARCADIS GmbH zum Projekt PFC-Boden- und Grundwasserbelastungen im Raum Rastatt/Baden/Baden, Zusammenfassung des Berichts: Vorgezogene Sanierungsbetrachtungen vom 23.10.2015, Az.: rh/csr-aei DE0115.000069, an Landratsamt Rastatt, S. 3.
  31. Ergebnisse der Studie des Ingenieurbüros ARCADIS, veröffentlicht vom Landratsamt Rastatt –Umweltamt–, Stand: September 2016 Landratsamt –Umweltamt- Rastatt, PFC-Belastung von Böden und Grundwasser im Raum Rastatt/Baden-Baden, Historie und Zusammenfassung, Stand: September 2016, S. 43. http://www.landkreis-rastatt.de/site/kreis-rastatt/get/documents_E-720442370/kreis-rastatt/Objekte/03_Aktuelles/PFC/Historie%20und%20Zusammenfassung_Stand%20September%202016.pdf
  32. Umweltministerium Baden-Württemberg unter Verweis auf die Ergebnisse der Studie des Ingenieurbüros ARCADIS, veröffentlicht vom Landratsamt Rastatt –Umweltamt–, Stand: September 2016; Landratsamt –Umweltamt- Rastatt, PFC-Belastung von Böden und Grundwasser im Raum Rastatt/Baden-Baden, Historie und Zusammenfassung, Stand: September 2016, S. 43, Internet: http://www.landkreis-rastatt.de/site/kreis-rastatt/get/documents_E-720442370/kreis-rastatt/Objekte/03_Aktuelles/PFC/Historie%20und%20Zusammenfassung_Stand%20September%202016.pdf

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