Vorwort

Dieser „Brennpunkt: PFC-Mittelbaden“ fast überparteilich und unabhängig eine großflächige und komplexe Umwelt-Schadenssituation im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden zusammen. Auf etwa 500 Hektar (Stand: Dezember 2017) sind per- und polyfluorierte Chemikalien (kurz: „PFC“ ) auf Ackerflächen ausgebracht worden und damit auch ins Grundwasser gelangt. Landwirte beregneten mit dem belasteten Grundwasser ihre Felder. Inwieweit und wie lange die Bevölkerung unbemerkt mit kontaminierten Trinkwasser oder landwirtschaftlichen Erzeugnissen versorgt wurde, ist bis heute nicht klar. Dieses Schadensereignis reicht mindestens bis in das Jahr 2005 zurück. Als Ursache wird ausgebrachter Kompost angenommen, der mit Papierschlämmen versetzt war. Bemerkt wurde die Kontamination der Böden und des Grundwassers erst im Jahre 2013. Auch aus dem nördlichen Bereich der Stadt Mannheim liegen aus untersuchten Bodenproben  Ergebnisse von landwirtschaftlichen Flächen vor, auf denen ein Kompost verwendet wurde, der mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastet war. In der Mannheimer Region ist eine Fläche von ca. 244 Hektar betroffen (Stand: Dezember 2017). Die Größe der belasteten Flächen dehnt sich über das Grundwasser immer weiter aus. Waren Ende 2016 in Mittelbaden ca. 470 Hektar Fläche belastet, sind es im Dezember 2017 bereits 503 Hektar. Eine ähnliche Fortentwicklung gab es in der Region Mannheim: Sprach man dort im Jahre 2016 noch von ca. 100 Hektar PFC-belasteter Fläche, waren es Ende des Jahres 2017 bereits 244 Hektar.

In der Region Mittelbaden liefen Maßnahmen der zuständigen Behörden erst ab dem Jahr 2013 an. Bis dahin wurden PFC als Gefahrenquelle von den Behörden in Baden-Württemberg nicht wahrgenommen, entgegen dem Forschungsstand und dem angestiegenen überörtlichen Medieninteresse zu diesem Thema ab etwa dem Jahre 2008. Inwieweit und wie lange die Bevölkerung unbemerkt mit kontaminierten Trinkwasser oder landwirtschaftlichen Erzeugnissen versorgt wurde, ist bis heute nicht klar.

Das „Gemeinwohl-Forum Baden e.V.“ (GFB) stellt eine Reihe von Lösungsansätzen vor, die bislang keine Beachtung gefunden haben: beispielsweise den Einsatz zertifizierter Bio-Pflanzenkohle. Hierfür hat der GFB e.V. Anfang April 2017 nach aufwändiger Vorbereitung ein Forschungsprojekt initiiert, an dem inzwischen mehrere Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und Norwegen arbeiten. Schon daran ist abzuleiten, dass etwa mit zertifizierter Pflanzenkohle durchaus gewisse Chancen bestehen, das PFC-Risiko in den kontaminierten Böden zu minimieren.  Neben der Pflanzenkohle stellt das GFB auch andere Lösungsansätze zur Diskussion, beispielsweise die Gründung einer Regionalwert AG und die Einrichtung eines kommunalen Stiftungsfonds.

Eine öffentliche und zugleich offene Diskussion bleibt unabdingbar, auch dann, wenn konstruktive Ansätze und Vorschläge nicht etwa von den Behörden und von Experten in deren Auftrag kommen, sondern aus dem Reservoir von engagierten Bürger*innen.

Die Anzahl der Betroffenen ist so unübersehbar wie die anhaltende, allgemeine Ratlosigkeit über die PFC-Schadenssituation in der Region. Betroffene sind zuallererst Landwirte, dann die Kunden der örtlichen Trinkwasserversorger, Konsumenten von landwirtschaftlichen Produkten, Bauherren oder Grundstücksbesitzer. Ihnen allen, wie der gesamten Bevölkerung in der Region, wollen wir als GFB e.V. mit dieser Publikation einerseits eine unabhängige Informationen anbieten und andererseits Interessierte motivieren, sich zum Thema einzubringen.

Das „Gemeinwohl-Forum-Baden“ verfolgt als gemeinnütziger Verein bei aller Kritik an der Kreisbehörde aus der Öffentlichkeit, von örtlichen Parteipolitikern, von Bürgermeistern, von der Kuppenheimer Bürgerinitiative oder gleich mehrfach von der Bundesumweltministerin, in erster Linie das Ziel, über Maßnahmen einer bloßen Schadensbegrenzung hinaus, die noch möglichen Perspektiven aufzuzeigen, vor allem für die Landwirtschaft und Gartenbau-Betriebe.

Allen Leserinnen und Lesern eine aufschlussreiche Lektüre!

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